Mein Sohn will studieren

Buch und Handy
Der baldige Alltag meines Sohnes?

Ich gebe es zu. Vor ein paar Jahren habe ich noch anders über diese Angelegenheit gedacht. Vor ein paar Jahren hätte ich es mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gefördert. Vor ein paar Jahren dachte ich aber auch noch, dass man nur in Deutschland studieren kann und so die psychologische Distanz zu meinem Ältesten nicht so groß sein wird. Die Rede ist vom Studium.

Früher da war das ja so. Man hat sein Abitur gemacht, war dann bei der Bundeswehr und hat danach sein Studium aufgenommen. Nachdem man mit der Uni fertig war, hat es oft nicht lange gedauert, bis dann der erste Job aufgenommen wurde. Dabei handelte es sich eigentlich nie um schlecht bezahlte Tätigkeiten.

Stattdessen waren es oft Tätigkeiten, die man auch ohne Studium absolvieren konnte, aber man hat natürlich nix gesagt, denn das hätte dazu geführt, dass man eine Arbeit hätte annehmen müssen, die wohl möglich schlechter bezahlt und anstrengender gewesen sein soll.

Heutzutage sieht die Situation auf dem Arbeitsmarkt doch etwas anders aus.  Der alte Spruch: Es kommt nicht darauf an, was du weißt, sondern, wen du kennst, hat für mich große Relevanz. Es scheint mir, als wäre es gar nicht mehr wichtig, wie gut man in der Uni war, sondern wen man kennt.

Da können Verbindungen natürlich helfen, aber auch eine Parteienmitgliedschaft, die Präsenz in einem Komitee oder die Verfolgung eines ehrenamtlichen Zieles. Mein Sohn erfüllt leider keine dieser Anforderungen. Ich meine, ist ja auch in Ordnung. Das muss er ja nicht. Er geht halt lieber mit seinen Freunden feiern und hat eine feste Freundin.

Hund
Auch unser Boogie ist nicht begeistert von der Idee

Auf der anderen Seite verschlechtert er so seine Chancen auf einen Job ungemein. Und meiner Meinung nach gehört es einfach dazu, dass er sich schon jetzt darum bemüht die richtigen Weichen zu stellen, die ihm später helfen werden beruflich voran zu kommen.

Mein Sohn hat außerdem den Wunsch geäußert, dass er im Ausland studieren möchte. Zur Wahl stehen derzeit Südamerika, Asien oder Mitteleuropa. Dort haben es ihm vor allem die Länder Niederlande und Österreich angetan. Mir als Mutter wäre es am liebsten, wenn er in Deutschland bleibt.

Denn dann kann er schnell nach Hause kommen, wenn ihm im Wohnheim die Decke auf den Kopf fällt. Außerdem weiß ich, dass es in Deutschland eine vernünftige medizinische Versorgung gibt, was ich bei den anderen Ländern einfach nicht einschätzen kann.

Bis es so weit ist, werden glücklicherweise noch ein paar Monate vergehen. Ich hoffe insgeheim aber, dass er noch zur Vernunft kommt und ich ihn bald nicht via Skype anschreiben muss, natürlich mitten in der Nacht, dank der Zeitverschiebung, die es in Südamerika und in Asien nun mal geben wird. Also, drückt mir die Daumen.

Hurra! Ich werde Tante

Teddybären
Ich knutsche dich Schwesterherz :*

Meine Schwester ist im Jahr 1970 geboren. Sie ist also vier Jahre älter als ich. Als junges Mädchen musste ich mich sehr oft gegen meine Schwester durchsetzen.

Es wurde immer gesagt, dass sie doch viel besser in der Schule ist, dass die Jungs sie besser fanden, als mich, was mir im Nachhinein Schnurz – Piep – Egal ist und dass sie auch viel beliebter sei, als ich. Ich gebe zu, dass mich der letzte Punkt etwas beschäftigt hat, im Endeffekt spielt aber auch das keine Rolle.

Nach der Schule gingen wir beide getrennte Wege. Zumindest tagsüber. Wir wohnten beide weiterhin in unserem Elternhaus, gingen aber nicht mehr jeden Tag denselben Weg zur Schule und wieder nach Hause. Ich fing in einem Nähgeschäft an und meine Schwester ging in einen Supermarkt.

Dort machte sie auch ihre Ausbildung. Ein Umstand, der laut meiner Mutter, 20 Jahre vorher kaum vorstellbar gewesen sein soll. Mit anderen Worten, hätte meine Schwester wohl erst gar nicht an eine Ausbildung denken sollen, wenn sie im Jahre 1950 auf die Welt gekommen wäre. Auf Nachfrage erklärte mir meine Mutter, dass das damals ebenso war und die Gesellschaft noch nicht so weit war.

Wenn ich darüber nachdenke, kann ich nur froh sein, dass ich 24 Jahre später auf die Erde gekommen bin. Weitere 22 Jahre später erzählte ich meinen Eltern, dass ich schwanger sei und bald auch heiraten werde. Sie waren sehr glücklich und ich konnte es ebenfalls kaum erwarten.

Herz Karte
Ein dickes Herz an das Kind meiner Schwester

Nun hat meine Schwester mir erzählt, dass ich Tante werde. Ihre älteste Tochter wird 21 Jahre alt und hat ihr eröffnet, dass sie mit ihrem Freund, den sie nun auch mehr als fünf Jahre kennt, ein Kind erwartet.

Ich weiß nicht genau, was meine Schwester gedacht hat. Ich weiß aber, dass sie mir letztens noch gesagt hat, wie schnell die Zeit vergehen würde und sie noch weiß, wie ihre Tochter das Laufen gelernt hat, heutzutage hat sie beinah ihren Abschluss in der Tasche und ist eigentlich bereit zu arbeiten.

Daraus wird wohl erst mal nichts. Statt mit Excel Tabellen und Bestellungen, wird sie sich in der nächsten Zeit wohl eher mit Kursen für werdende Mütter auseinandersetzen. Es ist zwar theoretisch möglich, dass eine Firma sie jetzt einstellen wird, praktisch sollte man davon aber nicht ausgehen. Denn man bildet zwar eine Fachkraft weiterhin aus, diese Fachkraft wird aber für die nächsten ein bis zwei Jahre nicht in der Firma tätig sein.

Dazu kommt, dass viele Firmen wissen wollen, ob sie vor hat in der nächsten Zeit schwanger zu werden. Nun ja, diese Frage kann sie ja jetzt mit „Nein“ beantworten. Denn in den nächsten sechs Monaten werden wir ein neues Familienmitglied begrüßen dürfen. Ich freue mich schon sehr!